johann von loeweneich Johann von Löweneych´s Großvater stammte aus dem östereichisch-ungarischen Grenzland nahe Wiens und wurde in späteren Jahren in der Nähe von Nürnberg sesshaft, wo er ein ritterliches Lehen erhalten hatte. Durch wen dieses Lehen vergeben wurde ist leider unbekannt. Bekannt hingegen ist, dass sein Enkel Johann nur kurze Zeit nachdem er dieses Lehen von seinem Vater übernehmen sollte, einem letzten Kreuzzug ins Heilige Land folgte.

Es war der bewaffnete Pilgerzug des französischen Königs Ludwig IX, des so genannten Heiligen, wie er später genannt wurde. Warum Johann dem Franzosen folgte, wurde niemals offenbar. Doch als das französische Heer nach Ludwigs Tod bei der Belagerung von Tunis wieder nach Hause zurück kehrte, war Johann nicht dabei.
Ludwig hatte ihm eine Mission anvertraut.

"Johann von Löweneych," hatte er zu ihm gesagt, "sammle Deine besten Männer und nehme Dir noch zwanzig der Meinen und mache Dich auf nach Osten. Unsere allerchristlichsten Verbündeten warten in Damaskus auf uns." Ludwigs Blick wand sich zur Stadt Tunis hinüber, die noch immer von einer starken Mauer geschützt wurde. Ein Zittern durchlief seinen Körper, und er wusste, dass er wieder einen dieser Fieberanfälle bekommen würde, die er schon eine ganze Weile bekam. Malaria hatte es einer der maurischen Ärzte genannt, den sie gefangen und befragt hatten. Es war eine tödliche Krankheit wie er nun wusste. Eine Weile sagte er nichts mehr, dann wand er sich wieder Johann zu. "Ihr müsst es schaffen, vor Sultan Baibars in Damaskus zu sein. Nur dann könnt ihr die Unseren retten." Er sah Johann mit festem Blick in die Augen und meinte: "Ich werde das Ende dieses Pilgerzuges nicht mehr sehen, mein Freund, aber wir werden unser Möglichstes tun, um euch so schnell wie möglich zu folgen." Ein neues Zittern ließ des Königs Leib erbeben und Schweiß trat ihm unvermittelt auf die Stirn. Er musste erst nach Luft ringen, bevor er weitersprechen konnte.
"Geht nun, Johann, und Gott mit euch und euren Männern."
Und so machte sich Johann mit gut fünf Dutzend Männern auf den Weg gen Osten. Doch es war ein weiter, weiter Weg den sie zu Pferde nicht unter einem halben Jahr hinter sich bringen würden. Doch Johann wusste, dass südlich von Tunis in der kleinen Hafenstadt Hammamet ein Schiff auf sie warten würde. Aber auch der Weg bis zum Hafen war nicht ohne Risiko. Über Land zu reiten und die Bucht von Tunis links liegen zu lassen, konnte durchaus unerwünschte Zusammenstöße mit Baibars Truppen heraufbeschwören, denn er hatte seine Männer überall in den arabischen Landen verteilt. Deshalb brachen sie in der ersten Vollmondnacht nach König Ludwigs Anweisung auf.
Johann von Löweneych sandt vier Späher aus, um den Weg zu suchen und mögliche Gefahrenquellen zurück zu melden. Zwei Stunden nachdem er die Männer losgeschickt hatte und sie nicht zurück kamen, folgte er ihnen mit seinen Kriegern. Es war ein langer Zug der sich da durch die Wüste am Meer wand. Aber schließlich erreichten sie Hammamet und das Schiff das auf sie gewartet hatte.

Da Damaskus weit im Landesinneren lag, mussten sie sich im Heiligen Land neue Pferde besorgen, denn diese konnten sie nicht mit auf das Schiff nehmen. Fast zwei Wochen lang trotzten die Männer Wind und Wetter auf dem unruhigen Meer, dann landeten sie in der kleinen Stadt Sour, wo man ihnen in der Komturei der Brüder vom Heiligen Tempel Jesu neue Pferde gab. Johann musste sich verpflichten, dass die Pferde die sie in Hammamet hatten stehen lassen müssen, ab sofort das Eigentum des Templerordens waren. Doch das störte Johann nicht weiter. Von Sour waren es ungefähr zwei Wochen zu Pferde bis Damaskus, sofern nichts dazwischen kam. Der Komtur der Templer kannte Ludwig den König der Franzosen gut. Er war früher als er noch in Francien weilte oft Gast am Hofe des Königs gewesen und hatte diesen als Freund betrachtet. Aus diesem Grunde und weil er sich verpflichtet sah den Christenmenschen in Damaskus zur Seite zu stehen, befehligte er einen Teil seiner Truppen, Johann zu begleiten und auf ihn aufzupassen. Johann fühlte sich zwar geschmeichelt wollte aber ablehnen, denn er sah seine Chance eher darin, mit weniger Männern mehr zu erreichen als mit einer ganzen Armada.
Der Zug der Pilger war so dann nur auf hundert Mann angewachsen und brach im Morgengrauen des nächsten Tages auf. Die Templer kannten den Weg nach Damaskus genau und wussten um die Gefahren die er barg. Man wollte nach Möglichkeit jedem Konflikt aus dem Weg gehen, doch schon am dritten Tag ihrer Reise konnten sie das nicht mehr.
Bei Schebaa traf das Kontingent auf eine größere Gruppe muslimer Turk die ihrerseits den Feind bereits gesehen hatten. Johanns Trupp war dem Feind zwei zu eins überlegen, doch mussten sie schließlich viele Tote und Verletzte beklagen. Der Muselmann hatte sich mit vehementer Raserei zur Wehr gesetzt und Johann und seine Freunde, die Templer, mussten all ihr Können aufbieten um nicht doch noch zu unterliegen. Als die Schlachterei vorüber war, waren sie wieder nur sechzig Mann die sich weiter auf den Weg nach Osten machen mussten. Achtundzwanzig seiner Männer waren bei dem Gemetzel ums Leben gekommen und nur zwölf Templer waren ihnen geblieben, darunter der Komtur, der den Zug ebenfalls begleitet hatte. Nachdem sie ihre Toten mit einem christlichen Begräbnis bestattet hatten, waren sie wieder aufgebrochen. Sechs Tage später konnten sie die Mauern von Damaskus von einem Hügel herab sehen.

Im Osten der Stadt schien eine gewaltige Staubwolke auf die Stadt zu ziehen. Johann und der Komtur sahen sich an und waren sich einig, dass es sich hierbei nicht um einen Sandsturm handelte, sondern Sultan as Zahier Baibars mit seinen Männern auf die Stadt vor rückte. Wenn Johann richtig rechnete, dann müssten Baibars Männer in gut drei Stunden vor den Toren von Damaskus stehen. Dies war also die Zeit die sie selbst noch hatten, um von Westen her in die Stadt zu gelangen und bei deren Sicherung zu helfen. Und so trieben sie ihre Pferde bis an den Rand der Erschöpfung um ihr Ziel noch rechtzeitig erreichen zu können. Und sie schafften es.
In der Stadt wurde die Verstärkung freudig begrüßt, aber eine Aussicht auf Sieg würde es angesichts der Übermacht vor den Toren der Stadt wohl nicht geben. Johann musste unbedingt Nachricht an Ludwig geben, wie es um Damaskus stand. Doch dies konnte er keinem einfachen Soldaten überlassen. Er besprach sich mit dem städtischen Befehlshaber und dem Komtur der Templer über das weitere Vorgehen. Und so wurde beschlossen, dass Johann selbst an König Ludwigs Seite zurück kehren sollte, denn er kannte bereits den Weg genau und er wusste wie er dem Muselmann aus dem Weg gehen konnte ohne gesehen zu werden. Man staffierte ihn aus wie einen Arab und gab ihm Kamele und Waren die entbehrlich waren, sollte er angegriffen und beraubt werden. Ein Mann auf einem Kamel und vier Lastentiere mit sich führen, würde kaum Aufsehen erregen. Seine ritterliche Kleidung hatte er bis auf das gepolsterte Untergewand und sein Kettenhemd, in den Packtaschen eines Kamels verstaut. Sein Langschwert hatte man durch ein Shamshir vertauscht und ein Rundschild aus Metall hing griffbereit an der Seite seines Sattels.
Innerhalb einer Stunde nach ihrem Eintreffen in Damaskus war er wieder aufgebrochen. Seine Kamele konnten länger und ausdauernder laufen wie ihre Pferde, und so trieb Johann die Tiere erst einmal zur Eile an, bis er aus dem Sichtbereich der Stadt verschwunden war. Seine Eile und das Wissen das er mit sich führte, trieben ihn unaufhaltsam weiter Richtung Westen. Dennoch brauchte er gut zweieinhalb Wochen bis er Sour erreichte und in der Komturei der Templer wieder Quartier nehmen konnte. Das Schiff mit dem er vor Wochen her gekommen war, war natürlich nicht mehr da. Die Brüder vom Heiligen Tempel Jesu rieten Ihm, ein paar Tage zu warten, dann würde eventuell ein Schiff kommen, denn Gerüchte machten die Runde in Sour. Gerüchte über den Tod eines Königs, Gerüchte über den Wegzug von Pilgern und Gerüchte über den Vormarsch anderer Pilger.
Und die Templer sollten Recht behalten. vier Tage später kam ein Schiff. Aber es kam nicht allein. Mehr als dreißig Schiffe zählte Johann von seinem Aussichtsfelsen über dem Meer und alle hielten sie auf Sour zu. Das erste Schiff kannte er gut und als es im Hafen Anker geworfen hatte, war Johann auch schon zur Stelle um die Neuankömmlinge freudig zu begrüßen. Es war Eduard Plantagenet, der Thronfolger des englischen Königshauses mit seinen Männern. Eduard wusste um Johanns Mission und fragte ihn sogleich, was er hier in Sour tat, und Johann berichtete ihm alles. Anschließend erzählte der junge Kronprinz dem Löweneych was mit König Ludwig passierte. Er musste unsäglich gelitten haben, bis ihn der Tot erlöste.

Johann schloss sich kurzerhand dem englischen Kronprinzen an, der sein Kontingent weiter nach Osten bringen wollte. Ziel der Bemühungen Eduards war es, die wenigen verbliebenen christlichen Kreuzfahrerstaaten, die sich seit den 1260er Jahren ständiger Angriffe ägyptisch-syrischer Mameluken ausgesetzt sahen zu befreien, oder wenigstens in ihrem Kampf zu unterstützen. Die Mameluken standen unter der Führung des Sultans as-Zahir Baibars, der in den letzten Jahren schon mehrere Burgen und Städte, vor allem Antiochia eingenommen hatte und nun im Begriff stand, die letzten Überreste christlicher Herrschaft im Heiligen Land zu beseitigen. Da Baibars als skrupellos und machtgierig galt, war er das ideale Ziel des englischen Kronprinzen und sein Kreuzzug war somit "christlich anerkannt".
Doch wie das Schicksal es wollte, war auch dieser Pilgerzug nur wenig mit Glück gesegnet und so machten sich die einzelnen Truppenteile wieder auf den Weg in die Heimat. Baibars Herrschaft in Damaskus konnte wohl eingeschränkt, aber letztlich nicht völlig beendet werden. Es wurden Verträge geschlossen und Konzessionen gemacht und so zog am Ende auch Eduard nach Hause zurück.

Johann, der nach den vielen Jahren im Heiligen Land alt und ergraut in die fränkischen Marken zurückkehrte, fand sein Lehen freudig erblüht und gereift vor. Seine Verwalter hatten gute Dienste geleistet. Einige Zeit später machte er die Bekanntschaft der jungen Herren von Franken, denen er sich mit seiner Erfahrung und seinem Wissen gerne anschloss. Und noch heute beansprucht er seinen Sitz an deren großer Tafel und erfreut sich seiner hohen Tage.

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