Das Barbarossa Spektakulum zu Würzburg a. D. 2014

Es begab sich zu der Zeit des 22sten Tages im Monat April anno Domini 1227, so der ungefähre Tenor des Veranstalters, da wurde, nur einige Kilometer von Jerusalem entfernt, karger Boden aufgegraben, um dort eine Kirche,

ein Haus und eine Befriedung für die Ritter des Herrn zu erbauen. Selbige sollten den stetig wachsenden Strom der Pilger ins Heilige Land betreuen und beschützen.

Der Keller war fast ausgehoben, da stießen die Brüder vom Hospital, wie man sie auch nannte, auf ein Gefäß. Nach Inaugenscheinnahme durch einen Bruder des Klerus in Jerusalem stand fest, dass dieses Gefäß wohl der lange verschollen geglaubte "Heilige Gral" sein müsse, denn er war von schlichter Art wie der Becher eines Zimmermannes.

Von Ehrfurcht ergriffen fielen die Brüder vom Hospital auf ihre Knie und beteten drei Tage lang ohne Unterlass und priesen Gott und die Heilige Mutter Maria für diesen Schatz. Gleichwohl wusste der Bischof von Jerusalem, dass der Gral hier nicht sicher sein würde. Er musste ins Abendland gebracht werden. Wenige Tage nach dem Fund gründete er den Orden der Teutschen, der sich allesamt aus den Männern vom Hospital rekrutierte. Diese Ritter sollten den Gral sicher ins Abendland geleiten, auf dass er dort für immer sicher verwahrt werde. Dass solch eine Reise nicht ohne Zwischenfälle vonstattengehen würde, dürfte jedem der einigermaßen bei Verstand war, klar sein.

Und so geschah es, dass schon kurz nach Ankunft der vier besten und edelsten Streiter des Herrn in den teutschen Landen die Gier anderer hoher Ritter nach dem Heiligen Gral wuchs, und diese versuchten den Rittern vom Deutschen Orden den Gral abzujagen.

So weit so gut...

Jedoch sollte ein jeder auch nur gering im Mittelalter bewanderter Mensch wissen, dass der Deutsche Orden nicht erst im Jahre des Herrn 1227 gegründet wurde. Der Deutsche Orden entstand, ebenso wie die beiden andere Ritterorden, während der ersten Kreuzzüge in Palästina. (siehe "Der Deutsche Orden " v. Franz Kurowski).

Doch nun zu meinem Marktbericht:

Ein strahlend schöner Sonntagmorgen, zwar kühl an Temperatur doch angenehm auf der Haut zu spüren, veranlasste mich, den unwürdigsten unter all den Würzburger Rittersleut, in Begleitung meines edlen Weibes hinan zur Feste unseres wohledlen Bischofs zu schreiten. Dort war für diesen Tag des Herrn ein Markt und ein gar mächtig anzuschauendes Spektakulum durch den bischöflichen Herold angekündigt worden (siehe oben).

Schon kurz nach Betreten der Festung auf dem Marienberg hoch über dem Meyn, ich glaubte schon, man würde hinter uns das schwere Tor zuschlagen, um uns nicht wieder gehen zu lassen, bat man uns zur Kasse. Sechs der silbernen Thaler, nur für den Besuch des Marktes pro Person und gar 12 der Thaler, wenn man das Spektakulum anschauen wollte, sollte ich aus meiner Geldkatze kratzen. Das war unverhohlener Wucher wie er einem jüdischen Kaufmann gut zu Gesicht stand. Wie gut, dass ich ein begünstigendes Pergament unseres obersten Herrschers bei mir trug, das mir die Kosten für eine Person in meiner Begleitung ersparte. Nach etwas zähem Hin und Her beglich ich zähneknirschend einen Salär von 10 Silberlingen. Immer noch ein stolzer Preis wie ich finde, aber sei´s drum.

Unser Weg führte uns in die Tiefen des sonst so düsteren Festungsgrabens, der zur Feier des Tages von hellem Sonnenlicht geflutet war. Vielerlei Mensch und Getier waren hier unterwegs und man konnte schon die Düfte gebratenen Fleisches, frischen Brotes und allerlei Spezereien unsere Nasen kitzeln fühlen. Kein Wunder, denn gleich zu unserer Rechten unter der Zugbrücke hindurch, reihten sich die Händler des Weines, die Flammkuchenbäcker und Wurstbratereien zur einen und die Tavernen und Brauer zur anderen Seite der Mauern aneinander (siehe Bildergalerie). In der südöstlichen Ecke auf einer kleinen Bühne, gaben die Spielleut von Triskilian und von Fortunatus ihre alten Weisen zum Besten, während daneben weintrunken der Pöbel mit scheppernden Bechern lauthals dazu grölte. Doch bevor wir in die Straße der Händler abbiegen konnten, riefen uns die Fanfaren zum Spektakulum.

In einem Geviert aus eisernen Zäunen und versteckt durch dicke Zeltplanen befand sich der Plan, auf dem sich schon bald ein großes Turney abspielen sollte. Rund um den Plan hatte man lange Bänke und dahinter ebenso lange Tische aufgestellt, auf denen die Zuschauer bereits reichlich Platz nahmen. Sodann hob der Herold des Bischofs zu seiner schwülstigen Rede an, wobei er uns die zu Beginn dieses Textes stehenden Worte zu Gehör brachte. Er begrüßte die Kombattanten und stellte diese den Zuschauern vor. Da Namen nur Schall und Rauch sind, habe ich sie wieder vergessen. Zu erwähnen sei nur, dass die schwarz gewandeten Reiter die Bösen und die Ritter in den Farben des Deutschen Ordens die Guten in diesem Spektakel sein würden. Grund des angekündigten Spektakels war der Zwist um den Besitz des Heiligen Grals welcher sich in der Obhut des Ordens befand und nun zum Ruhme der schwarzen Reiter in deren Besitz wechseln sollte.

Zu unserem Besten war, dass wir von unserem Sitzplatz nicht genügend der peinlichen Rangelei zu sehen bekamen. Ganz im Gegenteil zum Rest des angereisten Publikums, das jedwedes Missgeschick mit kräftigem Händegeklapper honorierte. Sei´s drum, wir wissen ja wie solch ein Händel ausgeht. Die Bösen kriegen Hiebe, die Guten kriegen Liebe (siehe Bildergalerie!).

Noch immer schritten wir beim Schein der Sonne um die Festung Marienberg. Händler und Handwerker präsentierten uns in reichhaltiger Vielfalt ihr Können und ihre Waren. Viel Geschmeide, aber auch nicht so edles Eisen wurde da angepriesen. Für die Damen gab es edle Stoffe nebst Geschmeide. Und für den Mann ein Schwert oder doch nur ein kurzes Stelldichein?

Alles in allem war das Spektakel nicht viel anders als andernorts, aber dennoch eine gelungene Kurzweyl. Der Markt da selbst bot viel für Jung und Alt und sogar ein Teufelswerk, das machte unvorsichtige kalt (siehe Video in der Bildergalerie!).

So will ich nun enden mit meinem Bericht von diesem Markt, denn ich hab noch anderes zu tun an diesem Tag.

Ein kleines Video vom Teufelswerk gibt es hier:

Gehabt euch wohl, es grüßt euch fein

der Alexander von Blaudrachenstein