Markttag zu Neuhaus im schönen Taubergrund (2004)

Am Morgen den 18. Tages des Witumanoth, dem Monat in dem man mit dem Sammeln des Holzes für die Winterzeit beginnt, begab es sich, dass die Herrin zu Neuhaus, auf ihrer Burg ein Wochenende des Marktes, der Gaukler und der Ritterspiele abhielt.

Das bereits im frühen 13. Jahrhundert erbaute Gemäuer, Stammsitz derer von Hohenlohe-Brauneck und

später Amtsgebäude des Deutschordensamtsmannes, hatte zu jener Zeit wohl besser ausgesehen, doch erfreute es unseren Blick damit, dass seit der schlimmen Zeit des Abbruches zu Beginn des 19. Jahrhunderts doch noch sehr ansehnliche Reste stehen geblieben und zu bestaunen sind.

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Vor einigen Jahren waren wir schon einmal hier gewesen und haben uns das Marktwochenende gefallen lassen, doch seither war leider kein weiteres Mal Markt gewesen, was uns sehr betrübte.
Um so neugieriger waren wir, an diesem Wochenende hier erneut verweilen zu können.

Das noch immer gut erhaltene Burgtor empfing uns bei fröhlichem Sonnenschein und ließ uns ohne große Kontrolle sogleich ein. Eine Hexe hatte sich gleich hinter dem Tor niedergelassen und weissagte dort für Erwachsene und Kinder.

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Die Händler schlossen sich auf dem Anger gegenüber an, doch ihrer Vielfalt mangelt’s noch, dies machte uns ein wenig bang. Um so erfreulicher war es, einen alten Bekannten der Gruppe Magistri aus Würzburg/Schweinfurt nebst seiner edlen Begleitung hier anzutreffen, und damit nicht genug, denn die Festung gehörte ja einstens auch einmal zum Bistum Würzburg, trafen wir hier auch noch einen uns wohlbekannten Händler aus dieser bischöflichen Stadt. Wagelyns historische Handelswaren prangte auf dem hölzernen Schild über dem Stand, der mit Waren allerlei Art für jeden Geschmack etwas anzubieten hatte. Ihm gegenüber bot eine Näherin ihre schönsten Stücke feil, und einige Meter weiter, konnte man seinem Gaumen einen guten Tropfen Wein gönnen.
Dies bringt uns natürlich gleich zum nächsten Thema, denn nicht nur das Auge und unsere Geldkatze wollten hier gefragt sein, nein auch das leibliche Wohl wollte natürlich nicht zu kurz kommen. Schmackhafte Fladen, Würste, Brot und Bier von den Braumeistern aus dem schönen Herbsthausen, standen uns zur Verfügung, und ein schattiges Plätzchen lud zum Verweilen ein.

Ein Gaukler verzauberte mit seinen Kunststücken Groß und Klein, und gar stimmgewaltige Mannen, sangen uns ein Ständelein.

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Am Nachmittag durchquerten wir ein großes Scheunentor, um auf dem dahinter liegenden Platze den Turnierplan vorzufinden. Hier nun, müssen wir doch ein wenig Kritik laut werden lassen. Es sei uns deshalb schon jetzt vergeben.
Des Platzes Größe war durchaus gut für Ross und Reiter, doch für das Volk war es dort nur wenig heiter. Die Mannen ritten ein, ohne dass ein Herr und seine Edeldame einen Platz zum gemütlichen Verweilen vorfanden. Ein Turney das ohne den entsprechenden Hofstaat stattfand? Das mutete uns doch sehr merkwürdig an, kann ich mich doch noch an dieses Jahr erinnern in dem ich schon einmal Gast hier war. Dort fanden Hofstaat, Edelleut und sogar das tumpe Volk einen Platz für ihre vier Buchstaben. Dem war diesmal leider nicht mehr so.

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Eine gute Stunde in der prallen Sonne herumzustehen, brachte so manch einen auf die Idee, sich das Spektakel nicht bis zu Ende anzuschauen. Statt dessen ging man lieber zurück in den Burghof und gönnte seinem Gaumen einen Krug vom kühlenden Gerstensaft und brachte sein gerötetes Haupt in die schattige Kühle des überhängenden Daches des Pferdestalls, wo man für ausreichend Sitzgelegenheit gesorgt hatte.


Eine besondere Freude bereitete uns jedoch, dass wir dort die Bekanntschaft einer uns bisher unbekannten Gruppe, die sich da selbst „Eiris“ nennt, gemacht haben. Sie stammt aus dem Raume Wertheim und mir deucht, dass wir hier ein paar Menschlein gefunden haben, mit denen es sich bestimmt gut feiern lässt. Woll'n doch mal sehen, wozu uns unser nächstes Zusammentreffen verleitet.

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Die Organisation dieses Festes, sowie die Ausrichtung des Turniers, oblag wohl dem örtlichen Verein für Sport und Kultur, genannt SPUK e. V. Auch sie hatten einen gut Teil Raum mit ihrem Lager in der Festung eingenommen. Unterhalb des Luginsland und der leider nur noch dürftig vorhandenen Reste des ehemaligen Pallas, hatten sie ihre Zelte aufgeschlagen.

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Nun neigt sich das Jahr wieder einmal dem Herbst entgegen, und wir waren froh, dass wir hier noch ein paar schöne Stunden verbringen konnten. Es würde uns außerordentlich freuen, wenn, auch trotz der kleinen Mängel, es sich herum spräche, dass sich hier auf Burg Neuhaus im Taubertal ein Ort befindet, auf dem man gut feiern, lagern und einen ordentlichen Markt abhalten kann.

Und so hoffen wir auch im nächsen Jahr wieder Gast hier sein zu dürfen und verbleiben

mit ritterlichem Gruße

Alexander,
Ritter von Blaudrachenstein
nebst seiner edlen Dame Christiana vom Reiherbach

gegeben zu Würzburg
am 20. Tage des Witumanoth anno 2004