Marktbericht Rabenstein (Fronleichnahm 2006)

Es begab sich zu der Zeit des 14. Tages des Monats Juni anno 2006, da sich die Scharen fränkischer Recken, nordischer Krieger und fremdländischer Wanderer wieder einmal auf machten, um nach einem langen und entbehrungsreichen Winter in ihre sommerlichen Besitzungen im Süden zu reisen.

Auf ihren Wegen mussten sie vielerlei Gefahren trotzen und

ständig auf der Hut sein, nicht einem Überfall wegelagernder Banditen zum Opfer zu fallen. Aus diesem Grunde wurden zu verschiedenen Zeiten an mannigfaltigem Orte Zusammenkünfte vereinbart, Märkte abgehalten und in gemeinsamen Übungsgefechten die Stärke der Männer erprobt und verbessert.

Burg Rabenstein


Zu jenem bereits genannten Tage, der da ein Tag vor Fronlichnam lag, machte sich auch unsere Gruppe, die Domini Francorum, auf, um zu ihren Sommerresidenzen in Apulien zu reisen. Auf ihrem Wege dorthin, machten wir vor den Toren der Burg Rabenstein im schönen Ahorntale Halt. Der Herr über dieses Bollwerk war als großer Gastgeber weithin bekannt und lud wie in den Jahren zuvor, auch in diesem wieder zu Markt und Mummenschanz sowie zu reichhaltig Speis und Trank ein.

Nachdem das Lager erstellt, und die edlen Damen und Herren sich von den Strapazen der Reise ein wenig erholt hatten, war es an unserem Freund und Weggefährten, Christian zu Wolfsberg, den Markt als Herold für die Burg zu eröffnen, und auch bei den anderen Programmpunkten rund um das Fest das Geschehen zu präsentieren.

Auf dem Marktplatz vor der Burg wurde, wie auch schon in den Jahren zuvor, mannigfaltig Tand feilgeboten. Hier konnten die Reisenden ihre Ausrüstung erneuern, fehlende oder verloren gegangene Gegenstände ersetzen. Manchem wurden dort auch Hörner aufgesetzt, so wie unserem Bruder Michael.

 

Waren in großer Auswahl waren zu finden , aber auch der ein oder andere Handwerker war hierher gereist , um seine Kunst dem Volk zu zeigen und mit den hergestellten Waren zu begeistern und zu handeln.Wie zum Beispiel der Marktstand des Zinngiessermeisters Stefan Dörr und seiner Frau Mechthild, bei denen man hier auf dem Markt von eigener Hand einen Zinnbecher bearbeiten konnte. Die beiden, netten Handwerker betreiben die älteste kunstgewerbliche Zinngiesserei Nürnbergs bereits in Vierter Generation.

Unser Herrgott meinte es an diesem Wochenende auch besonders gut mit uns und schenkte uns fast ununterbrochenen Sonnenschein, auf dass den Reisenden die Winterbleiche aus dem Gesicht getrieben und dort wo Röte nicht durch Scham entstanden, die Backen rot und braun gebrannt erstrahlten. Ein schweres Los hatte in dieser Hinsicht unser Herold, der mit noch winterhellem Antlitz den ganzen Tag lang in der prallen Sonne schwitzen musste.

Für Kurzweil sorgten dieser Tage die Musikanten von Vivus Temporis, ein Gaukler und das Puppentheater von der Gruppe Unhold. Dies war besonders auch für unsere Kinder wichtig.

Täglich zwei Mal, standen sich die christlichen Franken und die nordischen Götzenanbeter, grausame Wikinger, auf dem Plane gegenüber und führten dort mit Bravour ihre Kampfkünste vor. Unser Abt vom Kloster St. Jakobi zu Würzburg, segnete sie dafür vor jedem Kampf, denn wer wusste schon, ob dem Einen oder Anderen nicht doch einmal die Waffe ausrutschte. Mit Gottes Segen focht es sich einfach besser.

Die lauen Sommerabende luden zum Verweilen ein, und so mancher Besucher dieses Marktes wurde bei hereinbrechender Dunkelheit dafür mit einem feurigen Spectaculi belohnt.

Am Tage des Herrn wurde wie es sich gehört, ein Gottesdienst abgehalten, der von allen Seiten regen Zuspruch erhielt. Das große Langhaus war, eine Errungenschaft aus früherer Zeit die gleich neben dem Plane lag, dafür eine würdige Stätte.
Begleitet vom Schlag der Trommel und den vielen Stimmen einer Sackpfeife, zog das Volk dort ein, und die Reihen füllten sich bis zum letzten Platz. Und während der Messe sang Herr Michael von Orschel die ersten vier Strophen von Herrn Walter von der Vogelweides Palästinalied, ganz wie es sich gehörte, im Mittelhochdeutsch des hohen Mittelalters.

So ward es uns schwer ums Herz, als wir am nächsten Morgen unsere Zelte wieder abbrechen mussten, um mit unseren Reiseplänen fortfahren zu können. Doch bereits im August werden wir, so Gott will, hier wieder verweilen und bestimmt einen ebenso schönen Markt erneut erleben.

Nun denn, gehabt euch wohl und Gott mich euch!

Blaudrachenstein,
der Scriptor