Marktbericht Mittelalterliches Burggrabenfest Nürnberg (2013)

Nach einigen Jahren der Abstinenz vom Mittelaltermarkt im Nürnberger Burggraben war es dieses Jahr einmal wieder soweit. Da die nötige Freizeit vorhanden war, wurde der Termin fest eingeplant und am Sonntag morgen stand man pünktlich

um 11 Uhr zu Marktbeginn an der Kasse am Hallertor. Wobei diese nicht direkt am Hallertor zu finden war sondern erst nach einem kleinen Fußmarsch von mehreren Minuten, irgendwo im Burggraben zwischen Hallertor und Tiergärtnertor.

Nach Entrichtung des Wegezoll´s von 6 Euro, ausgestattet mit zwei Hochglanzprospekten, welche man vom freundlichen Kassenpersonal zur Eintrittskarte bekommen hatte, stürzte man sich also auf die - wie im ersten Hochglanzprospekt angekündigte - Zeitreise ins Mittelalter.

Und nach der Kasse ging es auch schon sofort los. Nach etwa 50 Metern begrüßten uns, meine Wehnigkeit und die Frau vom Stein, eine Horde wilder Wikingerkinder mit Speer und Messer auf dem Weg vor deren Lager und forderten erneut, man solle auch dort einen Wegezol entrichten. Das ganze wäre eigentlich Lustig gewesen, hätte nicht eines der Kinder plötzlich einen Dolch an die Kehle eines privaten Begleiters gehalten.

Dies war dann doch eine unerquickliche Situation, zumal von Seiten der erwachsenen Wikinger im Lager kaum Gegnmaßnahmen ergriffen wurden.

Nachdem aber der erste Schock überstanden war, konnten wir weiterschlendern. Gleich nach dem oben beschriebenen Wikingerlager befand sich ein Spielplatz für Kinder mit allerlei verschiedenen Spielmöglichkeiten, die mit viel Erfindungsgabe gebaut worden waren. Ich fand dies sehr nett.

Nun waren wir im sog. "Burghof", der "Erlebniswelt für Mini - Ritter und Edelfräulein", angekommen. Hier wurde auch wieder einiges für die Kinder geboten. Laut Programm gab es hier:

  • Pfeil - und Bogenschießen für Kinder
  • Figurentheater
  • Kinderritterspielplatz
  • Kinder-Ritter-Turnier
  • Kinder-Fechten und -Schwertkampf
  • Lagerleben + Uhu "Einstein" (zum anfassen)
  • Fakir- und Feuershow

Leider konnte ich außer einem normalen Bogenschießstand (also auch für Erwachsene) und dem angenommenen Figurentheater nichts dem Programm entsprechendes entdecken, jedoch war hier völlig außerplanmäßig ein kleines Zelt mit Kinderschminken vorhanden.

Dafür gab es aber hier eine Auswahl verschiedener Spezereien und Getränken an vier Marktständen.

Wir zogen weiter, vorbei an großen Gerüsten, welche mit Planen verhängt waren (was dem Ambiente extrem zuträglich ist), vorbei an der Kasse am Tiergärtnertor, hin zum "Zauberwald". Dort sollte man sich durch Luftakrobatik, Gaukelei, Musici und anderes verzaubern lassen.

Ob es der so arg frühen Stunde (11:30 Uhr morgens) geschuldet war oder nicht, kann ich nicht sagen, jedoch befanden sich scheinbar fast alle Akteure noch im Schlaf. Irgendwie war hier noch gar nichts los, verschiedene Marktstände waren (noch) geschlossen, in manchen wurde noch gefrühstückt, manche waren geöffnet aber ohne Verkäufer...

So sind wir weitergeschlendert, in Richtung "Arena", vorbei an ein paar wenigen weiteren Marktständen mit unterschiedlichsten Waren, der nächsten voll eingerüsteten und mit wunderschönen weißen Plastikplanen verhüllten Brücke - und siehe da, wir waren angekommen. Auf viel Platz erstreckten sich Küchen und Bäcker, Getränke und sogar ein einzelner, dafür aber persönlich bekannter Marktstand unseres guten Bekannten Dragal nebst allerliebster Gattin, die im übrigen die einzig bekannten Gesichter auf dem ganzen Markt waren.

Nach einem kleinen Plausch mit den beiden führte uns unser Weg weiter zur Arena. Dort fand laut Programm bereits seit 11 Uhr ein Schwertkampfturnier statt.

Eigentlich dachten wir, dass dies längst vorbei wäre, doch das laute Schlagen von Metall auf Metall und das krachen der Schilder sagte uns, dass wir noch was zu sehen bekommen würden.

Und so war es auch. Das Schwertkampfturnier war noch in vollem Gange und so sahen wir den Recken zu. Leider wurde das ganze aber relativ schnell Langweilig, da es sich hier um die zweite offene deutsche Meisterschaft im Schwert - Vollkontakt handelte und fortwährend nur einzeln - Mann gegen Mann - auf Zeit und für Punkte (Anzahl Treffer) gekämpft wurde. Also sahen wir uns noch den Rest des Grabens an, welcher die Lager der Schwertkämpfer beherbergte.

Spätestens hier wusste man als Insider, dass man auf einer Veranstaltung war, welche keinen großen Anspruch an historische Korrektheit stellt. In fast jedem Lager oder Marktstand befanden sich die allseits (un)beliebten Steckstühle, was einem, der sich etwas ernsthafter mit der Materie historische - mittelalterliche Darstellung befasst, sofort auffällt und meist auch sauer aufstößt.

Unser Weg führte uns nun wieder zurück in Richtung Hallertor, da uns doch der Magen erzählte, dass etwas zum Beißen an der Zeit wäre. Also ließen wir uns, aufgrund des Angebots im "Burghof" nieder um zu Tafeln.

Minihaxe mit Kraut war dann die Wahl, dazu ein "Ritterbier" (helles Pils) für die Dame und ein "Teufelsbier" (dunkles Pils) für mich. Zum Essen und Trinken möchte ich weiter nichts ausführen, da dies dem Geschmack des einzelnen geschuldet ist.

Auf rustikalen Holzbänken, an rustikalen Holztischen sitzend, war dies doch eigentlich ein Ort der Entspannung, wäre nicht die absolut unmittelalterliche Musik aus verborgenen Lautsprechern der Taverne gewesen. Da half nur noch etwas mehr Bier.

Auch die Ankündigung, nun endlich den Drachen "gassi" zu führen, konnte den Eindruck nicht verbessern, zumal der Drache ein asiatischer Laufdrache war, der da, getragen von einer vielzahl von Kindern an uns vorüberzog.

Auch viel mr so beim dortsitzen und beobachten, aber auch schon vorher beim durchspazieren, auf, dass es zwar eine Menge an Besuchern gab, aber scheinbar niemanden, der aus internen Kreisen stammt. Wie auf jedem Markt waren durchaus Besucher/Innen zu sehen, welche sich "verkleidet" hatten (Kleider aus Panesamt, aus dem Intenet, ohne auf Stoffe und Farben zu achten, Springerstiefel - Lederhose - Lammfell über der Schulter und Bidenhänder quer über den Rücken ...), aber leider keine Kotte, Surcotte oder sonstige gängige Kleidungsstücke aus entsprechenden Stoffen und Farben der ernsthaften "Internen".

So machten wir uns gegen halb Drei wieder auf den Weg und entstiegen der Zeitreise ins Mittelalter in die Neuzeit. Beim verlassen der Stätte viel mir jedoch noch ein Schild auf, welches den Besucher ermahnte, dass beim Verlassen des Geländes die Eintrittskarte jedwede Gültigkeit verliert und ein erneuter Besuch nur mit neuem Wegezoll möglich wäre.

Fazit

Mir war die Veranstaltung noch aus der Zeit des Veranstalters "Tucher" bekannt. Auch hier war nicht immer alles zum besten (z.B. ein großes neuzeitliches Bierzelt mit livrierten Bedienungen), aber der Markt hatte zumindest noch einen gewissen Anspruch und konnte auch von Personen aus der internen Szene gut besucht werden. Man traf auch meist irgend ein bekanntes Gesicht.

Leider hat sich dies aber sehr stark zum negativen verändert. Dem derzeitigen Veranstalter "Erlebnispark Schloss Thurn" scheint dieses Fest nichts zu bedeuten, außer damit möglichst viel Geld mit möglichst wenig Aufwand zu verdienen.

Vieles, was nach meiner ureigenen Meinung auf ein solches Fest gehört, das ja auch noch das geniale Ambiente des Nürnberger Burggrabens hat, war nicht vorhanden, der Besuch war im Grunde langweilig.

Den Eintrittspreis von 6 Euro pro Person finde ich für das Gebotene absolut überteuert.

So würde sich auch das nichtvorhandensein erkennbarer interner Besucher erklären.

Wir werden also diesen Markt für uns persönlich abschreiben und nicht mehr besuchen.

CzW