10 Jahre Magistri

Sommerhausen 2009

Es begab sich einst zu der Zeit in der kleinen Stadt Würzburg, es war wohl im Sommer des Jahres 1999, da betraten gar seltsam gesinnte Gestalten das Kontor eines uns wohl bekannten Händlers in der alten Zellerauer Straße. Das Kontor führte seit einiger Zeit all die Waren, die ein jedes Ritterherz höher schlagen ließ, aber auch den Burgfräuleins ein Lächeln auf die Lippen trieb.

 

Man wägte wohl nicht lang herum und beschloss, gar nicht so dumm, man könnte sich zusammenraufen und gründete `nen Ritterhaufen.
Der Händler sah es wohl mit Stolz was da in dem Kontor erfolgt.

Gleich wohl, der Pfeffersack war viel zu teuer, das war den Rittern vielleicht nicht geheuer.
Das Internet, es bot viel Schau, so machten sich die Ritter schlau.

Was weiter dann geschah vermag ich nicht zu sagen, denn ich war nicht zugegen. Doch in den folgenden Jahren begegnete ich den Mannen immer wieder und so bin ich stolz darauf, von ihnen zu ihrem Jubiläum eingeladen worden zu sein. Nun, die Einladung galt nicht nur mir, sondern auch all den anderen Mitgliedern unserer herrschaftlichen Mittelaltertruppe, der ich angehöre.

 

Freitag

Und so geschah es, dass wir, die liebreizende Christiana vom Reiherbach, unser Freund und Multivogt Michael vom Rankenberg und ich, Alexander von Blaudrachenstein im Jahre 2009 unsere Rösser spornten und den kurzen aber schönen Weg nach Sommerhausen in die luftigen Höhen der umliegenden Weinberge antraten, wo die Magistri auf einem kleinen Feld im Tierpark bereits ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Das Wetter versprach gut und warm zu werden und so trugen wir den Knechten auf, unsere Zelte an der Stätte aufzuschlagen. Schon nach kurzer Zeit glänzten Ihre nackten von stahlharten Muskeln übersäten Körper vom Schweiße ihrer mühevollen Arbeit und ich dankte ein weiteres Male unserem Herrn und Schöpfer, dass er mich mit der Last eines Adelsgeschlechtes hatte zur Welt kommen lassen und mir dadurch diese irdische Last erspart geblieben war. Nun denn, auch für unsere Knechte hatte die Mühsal bald ein Ende und das Lager der kleinen Abordnung der Domini Francorum stand fertig auf dem Plane.

Eingebettet auf einer kleinen Wiese, umrankt von saftigen Weinreben und beschattet von hohen Tannen bot das kleine Heerlager einen sehr idyllischen Blickfang (siehe hier).
Nicht unabgeneigt zeigten sich auch unsere direkten Nachbarn. Die angrenzenden Weiden waren bevölkert von mannigfaltig Getier wie Esel, Schaf und Ziege. Aber auch Pferde und einige wollige Vertreter aus fernen Landen deren Name wohl Lama bedeutet. Eigentlich sahen sie nur aus wie etwas größere Schafe mit sehr langem Hals. Man versicherte uns jedoch, dass ihre Wolle einst einen guten, wenn nicht sogar einen besseren Preis erzielen würde wie die so mancher Schafe.

Auf einmal kratzte es mich in der Kehle und ich musste einen Ausruf tun, der wohl so laut und stark war, wie der der großen Menschenaffen in Afrika. Doch potz Blitz, was war das? Plötzlich stimmten alle Esel um uns herum, und das waren nicht wenige, mit Getöse in meinen Ruf ein. Dieses rostige, bis in die Gebeine schmerzhaft ziehende Quietschen ließ alle Anwesenden aufschauen, um herzhaft zu lachen. Es war wirklich ein einmaliges Phänomen, das sich leider nicht mehr wiederholte.

Langsam neigte sich der Tag zu Ende und es wurde Zeit für das abendliche Mahl. Auf dem Feuer briet bereits ein schönes Stück Fleisch, welches uns drei gut satt machen würde.
Im Anschluss daran gesellten wir uns mit einem gut gefüllten Becher köstlichen Mets zu unseren Gastgebern an das große Lagerfeuer, wo wir alte Geschichten austauschten und viel lustigen Mummenschanz trieben.

 

Samstag

Der Morgen begann nicht ruhig wie man es sich für einen Samstag wünscht, nein, er begann mit einem lauten Konzert der Esel um uns herum. Der Tag war zwar schon hell, doch die Sonne vermochte es nicht durch den Hochnebel zu kommen. Langsam aber sicher erhoben sich die Gesellen und das kleine Zeltlager füllte sich mit Leben. Ein gutes Frühstück, bestehend aus Brot, Wurst und Käse, sowie einer guten selbst gemachten Zwetschgenmarmelade, erweckte die letzten müden Geister.

Am frühen Nachmittag sollten dann die ersten Disziplines zum Festablauf stattfinden.

Burggraf Berthold von Henneberg sprach einige schöne Worte zur Begrüßung der Gäste und den aus ihnen rekrutierten Kombattanten. Und dann ging es los.

Ein großes Bogenturnier gestaltete hierbei den Auftakt. Wer von Euch, werte Leser, sich darüber ein Bild machen möchte, findet hier eine kleine Auswahl. Die Siegerehrung erfolgte nach dem Abendmahl.

Die Turmuhr drunten im Ort schlug die Vierte Stunde nach Mittag, da sich die wackeren Recken mit ihren zum Teil seltsam-edlen Rössern (siehe hier) auf dem Plane zu einem Wettstreit mit Schwert und Lanze einfanden. Man achte hierbei auf den Herrn mit der laaaaangen Lanze!

Mit Ehre und Stolz erfüllt uns, dass sich unser Veranstalter, Graf Berthold und seine liebliche Gemahlin Gräfin Bertha von Putelendorf an unserer bescheidenen, kleinen Tafel einen Platz nahmen, um dem Geschehen besseren Auges folgen zu können.

Nun denn, die "Hälse" wurden geschlagen und die Ringe "gestochen" wie es Brauch ist bei den Herren Rittern (siehe hier). Doch den letzten Ausschlag in der Punktevergabe sollte durch den "Roland" entschieden werden.
Wie ein jeder aus unserer Zeit weiß, ist der "Roland" ein besonderer Gegner. Ein hinterhältiger nämlich. So steht denn ein aus Holzbalken gefertigtes Gestell mit ausgebreiteten Armen in der Mitte des Planes und erwartet den Streiter mit Schild in der einen und Sandsack in der anderen Hand. Der Kämpe muss mit der Lanze den Schild treffen und gleichzeitig dem Sandsack ausweichen. Keine Leichtigkeit wie ich meinen will, denn das Drehmoment des hinterhältigen Roland wird oft unterschätzt.

Doch oh weh! Wie uns der Herold mitteilte, war der Roland wohl zuhause geblieben und vergessen worden. Was tun, sprach Zeus! Nun, dafür hatte man in weiser Voraussicht bereits Sorge getragen und ein schön gelbes Leibchen von den Näherinnen des Grafen fertigen lassen. Sogar die Aufschrift "Roland" trug der Kittel in großen Lettern. Doch wer sollte ihn tragen?
Auch dies war leicht beantwortet, stellte sich doch unser aller Gönner, der Herr Graf selbst zur Verfügung. Schnell ward ihm der Leib gelb gemacht und Schild und Sandsack in die Hände gegeben. Und so stand er nun da. Näher am Geschick der Kämpen als er sich dies je geträumt hätte. Ich will hier nichts beschönigen, aber ich glaubte, und ich sehe wirklich nicht gut, aber ich glaubte seinen Bart doch ein wenig zittern zu sehen. Er wand sich um und holte sich noch einige mutige Worte von seiner Gemahlin und ging dann standhaft zurück in das Turney (siehe hier).
Nun denn, auch dieses Turney ging zu Ende und der Herr unser Schöpfer weiß wie, die Kämpen blieben allesamt unverletzt.

Die Siegerehrung konnte hier nicht bis zum Abend warten, und so wurden die Preise direkt an der Stätten vergeben. Der Sieger wurde mit "Der goldenen Krall" und der Verlierer mit der "Schwarzen Hand" belohnt (siehe hier). Es war eines der witzigsten und spritzigsten Turniere, bei denen ich zugegen war. Nie zuvor sah ich so viele Mohren ihre Köpfe verlieren! Sie wurden sogleich von den Kombattanten aufgefressen.

Sodann erscholl ein Ruf aus dem Lager, auf den ein heftiges Winken mit der Schöpfkelle erfolgte. Es wurde Zeit, das Bankett für den Abend zu richten und so befahl Graf Berthold: "Folgt dem Schöpfer!".
Da wir alle gottesfürchtige Kinder gleich den Schafen einer der benachbarten Herden sind, folgten wir diesem Aufruf auf dem Fuße. Schließlich wollte man am Abend auch ein "Gutes" Mahl genießen.

Zur Achten Stunde wurden wir zu Tisch gebeten. Ein jeder der etwas zum Essen beizutragen hatte, musste nun mit seinen Vorbereitungen fertig sein und diese an das Buffet übergeben. Die Auswahl an Speisen war entsprechend reichhaltig. Dieser waren da ein Gulasch von der wilden Sau, eine Menge gebratenes Huhn, sowie Beilagen aus Mehl und Brot, Getreide und Gemüse, und natürlich Bier und Wein auf Rechnung des Herrn Grafen und seinen Mannen!
Eine Köstlichkeit folgte der anderen und schon bald waren die Mäuler gestopft und die Mägen prall.
Hier kann man mehr davon sehen.

Im Anschluss daran fand ein bereits am Morgen angekündigter Minnesängerwettstreit statt, zu dem man sich um die Mittagsstunde herum anmelden konnte. Da ich auf diesem Gebiete, ohne mich hier nun loben zu wollen, nicht ganz unbedarft bin, meldete ich mich natürlich dazu an.
Aus den anwesenden Edeldamen wurde eine Jury von Fünf ausgewählt, welche sodann nach jedem Beitrage Punkte von 1 bis 10, 1 für die schlechteste, und 10 für die beste Note, vergeben mussten.
Nacheinander traten wir nun an, unser Bestes zu geben. Da dies hier ein "Minne"-sänger Wettstreit werden sollte, suchte ich natürlich nach den Worten, die hierfür den richtigen Ausdruck ihr Gewicht geben würden. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir die Worte weit weniger schnell von den Lippen als von der Feder glitten und so musste ich auf ein Flüstern meiner liebreizenden Muse warten, ehe ich das Stück fertig zu Wege brachte. Die Bewertung ließ ich über mich ergehen, erwartete jedoch kein gutes Ergebnis, da andere zwar vorlesend, aber flüssiger ihre Worte erklingen ließen.
Die Preisverleihung folgte auf dem Fuße und ich war sichtlich erstaunt, den zweiten Platz errungen zu haben. Ein Pokal aus Holz und ein großes, rotes Siegel am Bande waren mein Lohn.
Den ersten Preis errang Klaus der Spielmann. Sein Lohn war ein Weinpokal aus Ton. Der dritte und letzte Preis ging an einen anderen Gast, dessen Name mir leider nicht mehr einfallen will. Auch woraus der Preis bestand, weiß ich nicht mehr zu sagen.

Ebenso wie die "Minnesänger", wurde nun auch noch der Sieger des Bogenschießturniers gekürt. Er erhielt den "goldenen Pfeil".

Zum Abschluss des Festes präsentierte man den Gästen noch eine kleine Feuershow und aus den Reihen der Magistri spielte Jörg von Rhoden als Drache mit dem Feuer. Seine Flammen stiegen in beachtlicher Größe in den nachtschwarzen Himmel.

Hier kann man mehr davon sehen.

 

Sonntag

Der Morgen begann wie immer mit etwas Nebel, der sich aber im Laufe des Morgens verzog und so die Sonne ihre wärmenden Strahlen auf uns herab scheinen lassen konnte. Ein gemeinsames, gemütliches Frühstück an der großen Banketttafel bildete sodann den Abschluss dieses wirklich schönen Festes.

Im Namen der Gruppe Domini Francorum bedanken wir uns nochmals recht herzlich für die Einladung zu diesem Fest und wünschen der Gruppe Magistri noch viele schöne Jahre im Mittelalter und mit ihren gleich gesinnten Freunden!

 

Würzburg/Sommerhausen
im September anno 2009

Blaudrachenstein